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#weekendwriting 14: Meine Geschichte

Huch, ich habe mich verbastelt! Mitten im Vorbereiten für ein Weihnachtsvideo habe ich die Zeit übersehen. Hier ist also meine verspätete Geschichte zur aktuellen Weekend Writing Challenge. Wenn ihr auch eine habt, könnt ihr sie in den Kommentaren posten!

weekend14_sledgeAntares

„Noch drei Fuhren“ dachte Maximilian und wischte sich den Schnee aus dem Gesicht. Er schnalzte mit der Zunge, die Pferde liefen schneller. Hinter ihm quietschen die Kinder vor lauter Freude. Maximilian drehte sich kurz zu seinen Fahrgästen um und musste lachen. Der Großvater übte mit den Enkelkindern, die Schneeflocken mit der Zunge zu fangen. Das hatte er mit seinen Kindern auch immer gemacht. Aber jetzt waren sie schon groß und aus dem Haus. Ihm stand das erste Weihnachten alleine mit Anni bevor. Und er hatte sich etwas ganz besonderes ausgedacht. Etwas, das ihn nervös machte. Aber auch aufgeregt.

Maximilian hatte in den letzten Wochen nach der Arbeit das alte Ruderboot repariert. „Antares“ stand jetzt in kräftigen Farben am Bug, und es war bereit zur Ausfahrt. Er musste noch bis zum Frühling warten, aber einem Picknick im Bootshaus stand auch jetzt nichts im Weg. Er würde Anni ins Boot helfen, das Essen auspacken und den Champagnerkorken knallen lassen. Sie würde lachen, und dann würde er sie an ihre erste Ausfahrt erinnern, wo sie am Abend neue Sternbilder erfunden hatten. Anni hatte das Singende Hausschwein nahe dem Großen Bären entdeckt, und dann wären sie in der Dunkelheit beinahe nicht mehr ans Ufer zurück gekommen. Jedenfalls würde er Anni in ungefähr drei Stunden mit dem Champagner das Kuvert mit den Tickets überreichen, und dazu den Plan der neuen Wohnung. Jeden Tag Sonne, Blick auf das Meer, und im Garten blühende Orangenbäume. Oft hatten sie es sich ausgemalt. Sie hatten sich erzählt, welche Farbe die Gartensessel haben würden, dass sie den Morgen mit einem Schwumm im Meer beginnen wollten, und wie gut die Oliven zum Frühstück schmecken würden. Maximilian hatte heute morgen das Türschild abgeholt, auf dem unter ihrem Namen ein singendes Schwein abgebildet war. Er stellte sich vor wie Anni lachen musste, wenn er es hinter seinem Rücken hervor holte.

Hinter ihm wurde Jingle Bells angestimmt, wunderbar falsch gesungen, und Maximilian fühlte sich sehr weihnachtlich. Er zügelte die Pferde. Vor dem Hof half er den Kindern aus der Kutsche und begrüßte die nächsten Gäste. Noch zwei Fuhren, dann begann beinahe schon das neue Leben.

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Kreatives Schreiben: Weekend Writing 14

Uff! Vor lauter Vorweihnachtsstress hätte ich beinahe keine Zeit für die aktuelle Challenge gefunden. Aber hier ist sie! Ich habe ein Schneefoto ausgewählt, weil es hier in Wien schon wieder frühlingshafte Temperaturen hat. Man wird doch wohl noch von weißen Weihnachten träumen dürfen…

Ein großes Dankeschön übrigens an alle, die hier mitmachen, die Challenge auf Facebook und Twitter teilen und überhaupt fürs Schreiben zu begeistern sind – ihr seid großartig!

So, und für alle, die zum ersten Mal mitmachen: Es geht darum, dass ich hier immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte poste. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog (Update: Hier ist sie), eure könnt ihr hier in den Kommentaren posten, gerne auch anonym. Ich freue mich übrigens nicht nur, wenn ihr mitmacht, sondern auch wenn ihr es (im Netz) weitererzählt. Je mehr Menschen mitmachen, umso besser!

weekend14_sledge

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet (z.B. auf eurem blog) postet, hinterlasst doch den Link hier in den Kommentaren. oder kopiert den Text in den Kommentar, gerne auch unter einem Pseudonym. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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#weekendwriting 13: Meine Geschichte

Was ist euch zum Bild der aktuellen Weekend Writing Challenge eingefallen? Meine Erkenntnis des Tages: Manche Ideen sind zu ausufernd für die 20 Minuten dieser Schreibübung. Aber egal – ab damit ins Blog, das gehört eben auch dazu.

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Eins – zwei – Wechselschritt

Jim liebte Foxtrott. Und Jim liebte Dicky. Was Dicky nicht wusste. Hedi aber schon. Es war ein bisschen kompliziert, aber Jim fand es auch ziemlich schön.

Jim hatte Dickys Tattoo genau studiert. Er wollte sich auch so eines stechen lassen. Aber jetzt musste er sich wieder auf den Foxtrott konzentrieren. Gar nicht so einfach nach den vielen Gins. Aber die hatte er gebraucht, sonst hätte er sich nie getraut. Eins – zwei – Wechselschritt. Dicky bewegte sich ein bisschen hölzern, aber das war jetzt egal. Wichtiger war der Geruch von Dickys Hemd. Schweiß und ein Rest von Kernseife. Und Jim spürte Dickys Hand in seiner Taille nach. „Los, nochmal. Eins – zwei – Wechselschritt!“

Hedi sah Jim und Dicky beim Tanzen zu und freute sich. Seit Wochen hatte sie nach einer Gelegenheit gesucht, dass sich die beiden nahe kommen konnten. Jim hatte auffällig oft von Dicky gesprochen. Mal in der Mittagspause, dann nach der Arbeit. Und Hedi zählte eins und eins zusammen. Nachdem sie Dicky einige Zeit beobachtet hatte, war sie sich sicher, dass er ebenfalls Jims Nähe suchte. Aber natürlich traute er sich nicht, den ersten Schritt zu tun. Dicky hatte Hedi immer wieder nach Jim gefragt. Ob er liiert sei. Ob es etwas bedeuten würde, dass sie gemeinsam in die Arbeit fuhren? Hedi hatte ihm versichert, dass sie und Jim nur gute Freunde seien. Und jetzt saß sie am Tisch in der verrauchten Kneipe, und Jim brachte Dicky den Foxtrott bei. Ganz harmonisch war der Tanz nicht, aber Hedi spürte förmlich, wie die Funken zwischen den beiden sprühten.

Dicky fühlte sich unwohl. Er schwitzte, konnte seine feuchten Hände aber nicht aus Jims Griff befreien. Das würde seltsam wirken. Und es ging ihm gerade sehr darum, wie er wirkte, und zwar auf Hedi. Während der letzten drei Wochen hatte er sie und Jim beobachtet. In der Mittagspause und nach der Arbeit hatte er die beiden immer zusammen gesehen. Nie hatte er Hedi alleine erwischt. Zweimal war er sogar eine halbe Stunde früher zur Arbeit gekommen, aber einmal hatte Hedi frei, und das andere Mal war sie mit Jim in die Arbeit gefahren. Als sie endlich mal alleine war, versuchte er herauszufinden, ob Hedi und Jim ein Paar waren. „Nur gute Freunde“ hatte sie gemeint, aber als er Jims merkwürdigen Blick sah, wusste er nicht, ob er ihr trauen sollte. Heute war er jedenfalls nach der Arbeit auf einen Drink mitgegangen. Es waren dann ziemlich viele Drinks geworden. Und als Hedi ihn vorhin so sehr gedrängt hatte, sich von Jim den Foxtrott beibringen zu lassen, musste er wohl oder übel auf auf die Tanzfläche. Jetzt versuchte er, Jims tänzelnde Leichtigkeit zu imitieren, aber es gelang ihm nicht. Eigentlich wollte er jetzt lieber Hedi festhalten, die am Tisch saß und ihn anstrahlte. Dicky raffte sich auf. Einmal noch, für Hedi. „Eins – zwei – Wechselschritt.“

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Kreatives Schreiben: Weekend Writing 13

Vollgestopfte Einkaufsstraßen, Organisationswahnsinn für die Feiertage – könnt ihr euch etwas Schöneres vorstellen, als in der ganzen Weihnachtsvorbereitungshektik 20 Minuten lang auf eine ruhige Insel zu entfliehen, die nur euch gehört? Eben. Deswegen macht ihr jetzt bei der neuen Weekend Writing Challenge mit.

Für alle, die zum ersten Mal mitmachen: Es geht darum, dass ich hier immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte poste. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog (Update: hier ist sie), eure könnt ihr hier in den Kommentaren posten, gerne auch anonym. Ich freue mich übrigens nicht nur, wenn ihr mitmacht, sondern auch wenn ihr es (im Netz) weitererzählt. Je mehr Menschen mitmachen, umso besser!

weekend13_mandance

(Das Bild ist dieses Mal von Shorpy. Wenn ihr darauf klickt, kommt ihr zu einer hochauflösenden Version, wo man alle Details genau sieht.)

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet (z.B. auf eurem blog) postet, hinterlasst doch den Link hier in den Kommentaren. oder kopiert den Text in den Kommentar, gerne auch unter einem Pseudonym. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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#weekendwriting 12: Meine Geschichte

Dieses (verlängerte) Wochenende bin ich spät dran. Zwischen Steuerbescheid und Feiertag habe ich mich ein bisschen verzettelt, aber jetzt ist sie da – meine Geschichte zur aktuellen Weekend Writing Challenge.

Weekend Writing 12: Luna Park

Zukunft

In Ingrids Leben war alles normal. Ihr Mann, ihre Abende zu Hause, ihr Leben. Sie mochte das so. Nur manchmal, da erinnerte sie sich an die Zeit, bevor alles normal wurde.

Heidemarie und Ingrid waren die besten Freundinnen gewesen. Im Kindergarten hatten sie eine eigene Geheimsprache, an der die Kindergartentanten verzweifelt war. In der Volksschule heckten sie in der großen Pause Pläne zur Eroberung der Weltherrschaft aus. Und im Gymnasium hatten sie den ultimativen „Will ich mit dir gehen? Ja, nein, vielleicht“-Test für Burschen entwickelt. Sie waren unzertrennlich, schrieben ein gemeinsames Tagebuch und planten darin ihre Zukunft. Bis Ingrid auf Joachim traf. An ihn verlor sie ihr Herz, und darin war kein Platz mehr für Heidemarie. Nach der Matura zog Heidemarie ins Ausland, und Ingrid hörte immer seltener von ihr. Die ersten Jahre blätterte Ingrid noch ab und zu im Tagebuch, bis es eines Tages hinters Regal rutschte.

Joachim war ein patenter Ehemann, Ingrid hatte eine nicht vollkommen uninteressante Arbeit, und die Abende verbrachten sie beide gerne daheim. Sie hatten es ruhig und Ingrid war glücklich. Bis Joachim am letzten Samstag im September plötzlich zu atmen aufhörte und vom Ohrensessel rutschte. Die Sirenen der Rettung störten die Stille im Wohnzimmer, und zu viele Leute knieten hektisch bei Joachim, der am Ende trotzdem tot blieb.

Die Stille, die Ingrid immer so geschätzt hatte, war plötzlich zu viel, und in ihrem Herz war ein Loch. Da dachte sie an das Tagebuch und machte sich auf die Suche nach Heidemarie. Eine lange Telefonliste später hatte Ingrid sie am Apparat. Heidemarie war gerade mit ihrer Bridgerunde auf dem Weg nach Disneyworld. „Alles langweilige Schnepfen, aber es gibt Gruppenrabatt. Komm doch mit, ich schmuggle dich in mein Zimmer!“. Kurze Zeit später war alles wie früher – der Geheimcode, die Gespräche, die Lachanfälle – Ingrids Herz war wieder prall gefüllt. Am Abend lagen sie nebeneinander im Doppelbett, und Adelheid zog ein Notizbuch mit einer Micky Maus und dem Aufdruck „Tagebuch“ am Cover aus ihrer Handtasche. „Du fängst an!“ sagte sie zu Ingrid. Ingrid nahm einen Kugelschreiber, schlug die erste Seite auf und schrieb in großen Lettern „ZUKUNFT“ darauf.

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Kreatives Schreiben: Weekend Writing 12

Wohoo – langes Wochenende! Das bedeutet: Viel Zeit zum Schreiben. Los gehts!

Für alle, die zum ersten Mal mitmachen: Es geht darum, dass ich hier immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte poste. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog (Update: Hier ist sie), eure könnt ihr hier in den Kommentaren posten, gerne auch anonym. Ich freue mich übrigens nicht nur, wenn ihr mitmacht, sondern auch wenn ihr es (im Netz) weitererzählt. Je mehr Menschen mitmachen, umso besser!

Weekend Writing 12: Luna Park

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet (z.B. auf eurem blog) postet, hinterlasst doch den Link hier in den Kommentaren. oder kopiert den Text in den Kommentar, gerne auch unter einem Pseudonym. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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#weekendwriting 11: Meine Geschichte

Na, habt ihr auch dieses Mal wieder bei der Weekend Writing Challenge mitgemacht? Ihr könnt eure Geschichten gerne hier in den Kommentaren posten! Hier ist meine:

Weekend Writing Challenge No.11, Foto von Milton Green
Weekend Writing Challenge No.11, Foto von Milton Green

Der Küchenboden

Nach fünf Monaten war es so weit. Julia saß neben den anderen auf den Stufen und redete mit, wenn alle von ihren Freunden, Affären, Männern oder beidem erzählten. Sie hatte sogar begonnen zu rauchen. Jetzt war sie eine von ihnen.

Als sie in die Stadt gezogen war, kannte sie niemanden. Eigentlich machte Julia das nichts aus. Sie wusste immer etwas mit sich anzufangen. Und sie genoss die Stille im Museum, den Wind auf der Haut beim Spaziergang im Park, die letzten Sonnenstrahlen, die sich durch ihr kleines Küchenfenster herein trauten. In Gesellschaft war sie ein wenig unsicher, deshalb vermied sie es, mit Menschen zusammen zu sein. Besonders schwer fielen ihr die kleinen Gespräche auf Parties oder im Lift. Was hatte sie schon zu erzählen? Die Sonnenstrahlen in der Küche waren ihr dann peinlich und das Museum klang langweilig. Männergeschichten gab es keine. Sie wurde gut darin, solche Situationen zu meiden, was aber kaum nötig war, da sie ohnehin von niemandem eingeladen wurde.

Am vorletzten Sonntag ging Julia wie immer im Park spazieren, als sie plötzlich laute Rufe und ein ungewöhnliches Platschen hörte. Sie ging ihnen nach und sah, dass in der Mitte des Teiches einen kleinen Jungen mit den Armen ruderte. Ohne viel darüber nachzudenken, zog sie ihren Mantel und ihre Schuhe aus, watete in den See, schwamm zum Kind, packte es unter den Achseln und zog es ans Ufer. Es weinte, was gut war, denn das hieß, dass es Luft bekam. Einen Augenblick später lief die aufgeregte Mutter des Kindes herbei, schloss den kleinen Jungen in die Arme und wollte ihn nie mehr loslassen. Sie begann ebenfalls zu weinen. Julia stand dem Polizisten Rede und Antwort, der mit der Mutter nach dem Jungen gesucht hatte. Dann ging sie nach Hause.

Am Montag war ein Bild von ihr in der Zeitung, und sie wurde eine Heldin genannt. In der Arbeit waren alle sehr aufmerksam zu ihr. Immer wieder musste sie die Geschichte vom Jungen im Teich erzählen. Sie bekam Einladungen zu Geburtstagsfesten und Babyparties und ging nach der Arbeit noch mit in die Bar. Es stellte sich heraus, dass Museen doch nicht für alle ein langweiliges Thema waren und verabredete sich mit einer der neuen Freundinnen zu einem Besuch der neuen Picasso-Ausstellung. Beim Thema Männer galt sie als verständnisvolle Zuhörerin – das entband sie der Pflicht, selbst etwas darüber zu sagen.

Nur eines erzählte sie nicht: Wie sie die Mutter mit dem kleinen Jungen zu hause besucht hatte, um sich zu bedanken, und der kleine Junge mit seinen Händchen quietschend den Sonnenstrahlen auf ihrem Küchenboden hinterhertapste. Jedesmal wenn sie daran dachte, bekam sie einen Kloß im Hals, vor Freude über den Moment. Aber das brauchte niemand zu wissen.

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Kreatives Schreiben: Weekend Writing 11

Spät aber doch – hier ist die neue Weekend Writing Challenge. Es gibt übrigens bereits eine „Frequently Asked Question“ zu unserer Übung: „Aber wohin mit meinen Texten?“. Die Antwort ist ganz einfach: Falls ihr kein Blog habt, wo ihr sie postet, kopiert sie doch einfach hier in die Kommentare, gerne auch unter Pseudonym. Wenn ihr selbst bloggt, freue ich mich natürlich über den Link zu eurem Text, ebenfalls hier in den Kommentaren.

So, los gehts! Bei dem winterlichen Wetter habt ihr doch sicher gemütliche 20 Minuten Zeit, oder?

Für alle, die zum ersten Mal mitmachen: Es geht darum, dass ich hier immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte poste. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog (Update: Hier ist sie). Ich freue mich übrigens nicht nur, wenn ihr mitmacht, sondern auch wenn ihr es (im Netz) weitererzählt. Je mehr Menschen mitmachen, umso besser!

Weekend Writing Challenge No.11, Foto von Milton Greene
Weekend Writing Challenge No.11, Foto von Milton Greene

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet (z.B. auf eurem blog) postet, hinterlasst doch den Link hier in den Kommentaren. oder kopiert den Text in den Kommentar, gerne auch unter einem Pseudonym. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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#weekendwriting 10: Meine Geschichte

Na, was ist euch zur aktuellen Weekend Writing Challenge eingefallen? Wenn ihr etwas geschrieben habt, das ihr hier teilen wollt, kopiert die Geschichte (oder den Link dazu) hier oder im vorhergehenden Blogeintrag in die Kommentare!

Hier ist meine Geschichte. Fürs Ende hätte ich gerne noch etwas Zeit gehabt, aber 15 Minuten sind 15 Minuten…

Gott

Der Hubinger Franz hatte sich zwei ganze Tage auf das Fest vorbereitet. Nicht, dass es viel vorzubereiten gegeben hätte; das meiste hatte seine Frau schon erledigt. Aber es gab doch so einiges, das wollte der Hubinger Franz jetzt zu Ende bringen.

Am Donnerstag Abend fuhr er deswegen zur Käthi. Und dort, in der guten Stube, unter dem Herrgottswinkel, dort hat der Hubinger Franz dann der Käthi seine Meinung gesagt. Geschlagene dreissig Jahre nachdem sie ihm am Tanzboden einen Korb gegeben hatte. Das hatte ihr der Hubinger Franz nämlich nie verziehen. „Du bleder Grompn, du depperter! Wegen dir bin i auf die Maria einigfalln. Seit dreissg Joahr bin i mit der verheirat. Es is schlimmer ois wia beim Teifi in da Hölln!“ Der Hubinger Franz meinte dann noch, die Käthi solle sich zu besagtem Teufel scheren, dort würde sie hingehören. Dann setzte er sich ins Auto und fuhr weg. So gut hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt.

Am Freitag Morgen packte der Hubinger Franz sein Jagdgewehr ins Auto, fuhr in den Wald und setzte sich auf den Hochstand. Nach langen Stunden des Wartens betrat der prächtige Zwölfender die Lichtung. Er war der ganze Stolz des Max Tiefenbach, der seit zwanzig Jahren den Bürgermeistersessel nicht mehr verlassen hatte. Man wusste von dem prächtigen Zwölfender, akzeptierte, dass dieser für Normalsterbliche tabu war, und sprach während der Jagdsaison lieber über die aktuelle Kürbisernte und das nächste Zeltfest. Der Hubinger Franz jedoch nahm den prächtigen Zwölfender leichten Herzens ins Visier, zog am Abzug – und traf. „Na, jetzt wirst bled schaun, Max“ lachte er in sich hinein. Das tote Tier ließ er liegen.

Heute war Samstag Abend, und es war Zeit für das große Fest. Der Partykeller des Schützenvereins füllte sich mit den ersten Gästen, der Eierlikör wurde nachgefüllt, und der prächtige Zwölfender war ausnahmeweise nicht tabu, sondern Gesprächsthema Nummer eins. Der Hubinger Franz war glücklich. Seine Gattin Maria rackerte sich inzwischen in der Küche ab. Auch das freute ihn. Genauso, dass er sah, wie widerwillig seine zwei erwachsenen Söhne ihm zum sechzigsten Geburtstag gratulierten.

Als alle versammelt waren, hob der Hubinger Franz zu seiner Rede an. „Schön, dass ihr alle da seids. Du, Hubert, kommst ja sicher grad wie jeden Samstag aus der Roten Laterne. Hast deiner Frau schon erzählt, wie nett du es dir dort immer mit der Daryna machst? Und du, Gertrude, wie gfallts dir mit deim Klavierstudenten? Und Maria – meine liebe Maria, glaubst ich weiß nix von deim Gspusi mit dem Max?“ So spielte der Hubinger Franz geschlagene zwanzig Minuten lang Gott, deckte die Sünden der Anwesenden auf und fühlte sich zum ersten Mal seit langem frei.

Nach seiner Ansprache stieg er die Treppe hinauf, setzte sich ins Auto, versicherte sich, dass sein Jagdgewehr noch am Rücksitz lag, und fuhr wieder in den Wald. Am Hochsitz fixierte er einige Zeit den Fleck, den der prächtige Zwölfender im Gras hinterlassen hatte.

„Das mach ich für dich, meine Käthi!“ flüsterte er lächelnd.

Zuerst fiel der Schuss, und dann das Jagdgewehr mitsamt dem Hubinger Franz vom Hochstand hinunter.  Dann legte sich Stille über die Lichtung und alles war gut.

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Kreatives Schreiben: Weekend Writing 10

Es gibt etwas zu feiern: Die Weekend Writing Challenge ist heute 10 geworden! 10 Wochen, nicht 10 Monate oder 10 Jahre, aber das kann ja noch kommen. Zur Feier des Tages gibt es einen kleinen Fun Fact: Die Abkürzung der Weekend Writing Challenge ist WWC – genau wie die World Wrestling Championship. Keine Ahnung, was das zu bedeuten hat, außer dass ein Buchstabe weniger unsere wöchentliche Challenge zu einer Word Wrestling Championship machen würde, was ja auch wieder sehr passend ist.

Aber jetzt zur heutigen Übung: Es gibt zur Abwechslung wieder einmal ein Foto aus meinem Fundus, weil ich heute die Übung mit den Teilnehmerinnen meines Storytelling Workshops gemacht habe, wo wir mit meinen Flohmarktfotos arbeiten. Ich selbst habe auch eine Geschichte geschrieben und mein Foto blind gezogen. Und zwar das, was ihr unten seht.

Aber jetzt gehts wirklich los – schnappt euch Papier, Bleistift und eine Uhr – 20 Minuten Kreatives Schreiben, ab jetzt!

Für alle, die zum ersten Mal mitmachen: Es geht darum, dass ich hier immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte poste. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog (Update: Hier ist sie). Ich freue mich übrigens nicht nur, wenn ihr mitmacht, sondern auch wenn ihr es (im Netz) weitererzählt. Je mehr Menschen mitmachen, umso besser!

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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