weekendwriting

#weekendwriting 9: Meine Geschichte

Und, wie ging es euch dieses Mal mit der Weekend Writing Challenge? Hier ist meine Geschichte:

Foto von Vivian Maier
Foto von Vivian Maier

Unsere kleine Stadt 

Wind und Regen. Katrin friert. Sie hasst den Herbst. Nach dem Theaterbesuch nach Hause und ab ins Bett. Morgen hat Harald seinen großen Tag. Sie muss bei seiner Preisverleihung ausgeschlafen sein.

Neben dem Bühneneingang des Theaters streitet ein Paar. Bloß nicht hinstarren. Katrin nimmt Harald fester am Arm. Sicher Schauspieler. Künstler. Man weiß ja, wie die sind. Stolz auf ihre Exaltiertheit, aber in Wahrheit nicht überlebensfähig. Als wärs was besonderes, auf einer Bühne zu stehen. Das hat sie auch gemacht. Früher. Laientheatergruppe. Die Emily in „Unsere kleine Stadt“ war ihr großer Auftritt. Danach hatte sich sogar ein Manager bei ihr gemeldet. Vertrag für New York. Ja, sicher. Damit sie so enden würde wie ihre Schulfreundin Maggie? Ohne Geld in einem dunklen Kellerloch. In einer Gegend wo man nachts als Frau nicht allein auf die Straße kann. Nichts ist es geworden mit Ruhm und Ehre. Reumütig ist Maggie ein Jahr später zurückgekommen und wollte nicht sprechen über das, was in New York passiert war. Nein, denkt Katrin, das wäre nichts für sie gewesen. Die ganze Hoffnung, und dann steht man an einer Wand und schreit sich an. Am helllichten Tag, wo alle zusehen. Sie hatte es viel besser erwischt. Das Haus, das Kind und Harald. Alles friedlich, nichts zu beklagen.

Katrin und Harald betreten das Theaterfoyer. Er hilft ihr aus dem Mantel. Der Kerl auf der Straße hilft sicher niemandem aus dem Mantel. Katrin lächelt Harald an. Sie geht mit ihm die Treppe hinauf in den Zuschauerraum. Hoffentlich wird das Stück nicht zu modern. Sie setzen sich auf die Sitze aus rotem Samt. Katrin mag diese ganz modernen Stücke nicht so gerne. Aber jetzt haben sie das Theaterabo. Harald fragt Katrin, ob sie an seinen Anzug gedacht hat. Für morgen. Ja, sagt Katrin, und an die neue Krawatte. Wie heißt das Stück?, fragt Harald. Katrin nimmt seine Hand und schaut aufs Programmheft „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“. Komischer Titel, sagt Harald. Katrin lächelt ihn an.

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Kreatives Schreiben: Weekend Writing 9

Es ist Samstag. Ihr wisst, was jetzt kommt. Genau, die neue Weekend Writing Challenge! Der Satz „Ich hab‘ aber keine Zeit!“ gilt übrigens nicht, denn die klitzekleinen 20 Minuten findet ihr an diesem gemütlichen Herbstwochenende fürs Schreiben garantiert. Ich schwöre!

Darum geht es: Ich poste immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog.

Foto von Vivian Maier
Foto von Vivian Maier

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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#weekendwriting 8: Meine Geschichte

Puh, es ist nicht einfach, über etwas zu schreiben, wovon ich sowas von keine Ahnung habe. Skateboarden in diesem Fall. Zufrieden bin ich diesmal nicht, aber egal – hier ist meine Geschichte.

Weekendwriting 8: Laura Thornhill, Foto von James O'Mahoney
Weekendwriting 8: Laura Thornhill, Foto von James O’Mahoney

Im Pool

Kate nahm ihr Skateboard und stellte sich an die Rampe. Vor ihr fuhr James hinunter – wie immer schaffte er den Trick perfekt. Kate hatte ihn mindestens eine Stunde lang beobachtet. Er hatte eine wirklich gute Technik.

Jetzt war Kate an der Reihe. Sie blickte hinunter ins Pool. Ganz schön hoch. Sie bückte sich und zupfte an ihren Knieschützern herum.  Einatmen, ausatmen.

Bis heute hatte sie immer alleine geübt. Heimlich, nach der Schule. Auf dem Parkplatz der verlassenen Farbenfabrik. Die Hosen und die Knieschützer hatte Kate in ihrer Schultasche unter den Büchern versteckt. Einmal hatte sie die Zeit übersehen. Die Schimpftirade ihres Vaters hatte sie über sich ergehen lassen, und sie war sogar ein bisschen stolz. Weil sie nichts von ihrem Skateboard verraten hatte. Letzte Woche hatte es dann aber wirklich gekracht. Mrs. Glenstone hatte ihre Mutter angerufen, weil Kate seit einem Monat nicht im Religionsunterricht gewesen war. Dabei hatte Kate so gute Ausreden benutzt. Der Geburtstag des Bruders, die kranke Großmutter und der arme Hund, den sie dringend vom Tierarzt abholen musste. Jedenfalls hatte Kate auch bei dem Zwischenfall mit Mrs. Glenstone dicht gehalten. Das Skateboard blieb ihr Geheimnis. Sie musste eine Woche nachsitzen, wusste jetzt die Namen von über 40 Heiligen samt ihrer Todesarten und ärgerte sich über die verlorene Trrainingszeit.

Danach ging sie täglich in den Skatepark und beobachtete die Jungs. Vor allem James. Vor dem Einschlafen ging sie alles nochmal genau durch: Wann er in die Knie ging, wie er das Gewicht verlagerte. Und jetzt stand sie da – ihr erstes Mal am Pool im Skatepark. Ein Junge drängelte sich vorbei. Sie stand im Weg. Der nächste Junge schob sie grob zur Seite. „He!“ Kate ärgerte sich und ging in Position. Da kam schon wieder jemand und drängte sich vor. Genug jetzt. Bevor sie noch jemand zur Seite schubsen konnte, stieß sie sich ab.

Dieser eine Moment ohne Halt und festen Boden. Der Druck in der Magengegend. Es war das beste Gefühl seit langem. Beim Aufprall verlor sie fast das Gleichgewicht. Aber nur fast. Kate war stolz auf sich. Mrs. Glenstone hätte jetzt etwas über Hochmut und Todsünden gesagt. Aber es war ihr egal.

„Bis morgen!“ rief Kate den Jungs zu, nahm ihr Board und ging nach Hause. Ihre Hosen ließ sie diesmal an.

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Kreatives Schreiben: Weekend Writing 8

Dass ich heute in Berlin beim Tag der Filmstoffentwicklung bin, soll euch nicht davon abhalten kreativ zu sein! Also, auf gehts. Die Weekend Writing Challenge dauert nur 20 Minuten und tut gar nicht weh.

Darum geht es: Ich poste immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog.

Weekendwriting 8: Laura Thornhill, Foto von James O'Mahoney
Weekendwriting 8: Laura Thornhill, Foto von James O’Mahoney

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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#weekendwriting 7: Meine Geschichte

An diesem Feiertagswochenende habt ihr doch sicher 20 Minuten Zeit für die aktuelle Weekend Writing Challenge gefunden, oder? Hier ist mein Text:

Doing Laundry, 1941. Foto von Esther Bubley.
Doing Laundry, 1941. Foto von Esther Bubley.

Im Prater

„Du, hat dir die Martha das schon erzählt? Die hat neulich einen Freund vom Rupert getroffen, und der hat ihr erzählt, dass der Peter eine neue Freundin hat. Weißt schon, der Peter aus der Postabfertigung. Also der hat jetzt eine, mit der er fest zusammen ist. Jetzt hat aber der Freund vom Rupert diese Freundin am Sonntag mit einem ganz anderen Mann im Prater getroffen. Zuckerwatte hat er ihr gekauft und dann sind sie im Schweizerhaus verschwunden.

Apropos: Ich hab jetzt diese neue Fertigmischung für die Bratensauce ausprobiert. Kannst nicht essen das Zeug. Aber jetzt wo ichs sag – es kann auch am Rezept liegen. Das hab ich von der Frau vom Gustl. Der ist immer so komisch zu mir in letzter Zeit. Ich weiß überhaupt nicht wieso. Dabei hab ich ihm vorigen Monat extra geholfen, den Geburtstagskuchen für seine Frau beim Konditor auszusuchen. Kann ich doch nicht wissen, dass sie auf Haselnüsse allergisch ist. Hat sie ja vorher selber nicht gewusst. Naja, schon ungut, zuerst glaubst du, du stirbst, dann mit Blaulicht ins Krankenhaus und alles. Wobei – da hat sie wenigstens was zu erzählen gehabt. Der ihr Leben ist ja schon eher fad. Ich mein, schau ihn dir an, den Gustl. Ich glaub nicht dass da viel los ist bei denen. Also im Bett und im Leben.

Du, weils mir grad einfällt: Hast du jetzt der Ulrike ihren Palmersgutschein schon eingelöst? Weil die haben ja jetzt diese Aktion „Drei zum Preis von zwei“ bei der schönen Unterwäsche. Und ich hab mir halt gedacht, wenn du nur zwei brauchst, könnt ich die dritte…? Aber ich will mich nicht aufdrängen, gell. Ich hab nur gedacht, falls du morgen hingehst, dann würde ich vielleicht mitkommen. Weil dann kann ich auch gleich Pyjama schauen für den Herbert. Obwohl – der zieht mir das neue Gewand ja eh nie an. Weil er meint, das alte ist noch gut. Dabei seh ich doch dass das nicht stimmt. Schau, das Hemd da, der Kragen löst sich schon auf. Und den Saucenfleck hab ich auch nicht herausgekriegt, mit dem er neulich heimgekommen ist. Der Herbert ist überhaupt grad so dermaßen gestresst. Das liegt sicher an der Arbeit. Neulich hat er sogar am Sonntag gearbeitet. Er hat einen wichtigen Kunden ins Schweizerhaus ausführen müssen. Naja, so ist das eben, wenn man so eine wichtige Position hat wie der Herbert. Es ist fast zum eifersüchtig werden, haha! Aber auf meinen Herbert ist Verlass, der ist eine ehrliche Haut. Nicht so wie diese dumme Gans vom Peter, von der der Freund vom Rupert der Martha erzählt hat.“

Die Geschichte wurde übrigens von einer Übung inspiriert, die wir neulich in unserer Gruppe für Kreatives Schreiben gemacht haben: Es ging darum, eine Geschichte zu erzählen, die so viel und weit wie möglich vom Thema abschweift – also das Gegenteil von dem, was man normalerweise macht, wenn man versucht so fokussiert wie möglich zu schreiben. 

Wer in Wien wohnt und auch einmal bei Barbara Stieff in die Gruppe für Kreatives Schreiben kommen möchte, kann mir einfach mailen, ich leite es ihr weiter.

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Kreatives Schreiben: Weekend Writing 7

Samstag! Und noch dazu Feiertag – zumindest hier im katholischen Österreich. Also, los gehts mit einer neuen Weekend Writing Challenge. Welche Geschichte fällt euch zu dem Foto ein? 20 Minuten, völlig gratis, Spaß garantiert!

Darum geht es: Ich poste immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog. (Update: Hier ist sie!)

Doing Laundry, 1941. Foto von Esther Bubley.
Doing Laundry, 1941. Foto von Esther Bubley.

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

Kreatives Schreiben: Weekend Writing 7 Weiterlesen »

#weekendwriting 6: Meine Geschichte

Na, habt ihr auch bei der Weekend Writing Challenge mitgemacht? Hier ist meine Geschichte:

Foto von Arthur Siegel
Foto von Arthur Siegel

Die Untiefen

Noch ein prüfender Blick auf die Strümpfe – fertig. Michael sah den Fotografen an. Der nickte und bedankte sich. Nachdem sich der Fotograf mit seiner ganzen Ausrüstung durch die Türe bugsiert hatte, atmete Michael durch. Er stellte das Mannequin ins Eck und zog das Notizbuch aus seiner Tasche.

  1. Türe aufhalten
  2. Mantel abnehmen
  3. Stuhl hinschieben, dann erst selbst setzen
  4. Für beide Essen bestellen
  5. Smalltalk

Er ging alle Punkte nochmal durch und lächelte – schon als Kind war er gut im Auswendiglernen gewesen, das kam ihm jetzt zu gute.

Um Punkt 20 Uhr stand er vor dem Restaurant. Mit dreizehnminütiger Verspätung fuhr ein Taxi vor, und sie stieg aus. Iris war etwas größer als das Mannequin. Aber das machte nichts. Er hielt ihr die Türe auf, nahm ihr den Mantel ab, schob ihr den Stuhl hin. Bis jetzt ging alles nach Plan.

Der Kellner brachte die Speisekarten, und der Smalltalk verlagerte sich überraschend zum Thema „Vulkanausbruch in Island“. Natürlich hatte er am Morgen die Zeitung gelesen, also nahm er auch diese Hürde mit Bravour.

Michael fragte Iris, was sie essen wolle und sie meinte „Steak. Rare.“. Er mochte es lieber ganz durch, wollte aber um nichts nachstehen, also bestellte er dasselbe. Dazu die Wienempfehlung des Kellners.

Iris wechselte jetzt das Thema und fragte ihn nach seiner Arbeit. Plötzlich machte etwas in seinem Kopf „klick“, und er begann zu lügen. „Ausstatter beim Film“ sagte Michael und war recht stolz auf sich. Das klang viel besser als „Mannequinbekleider“.  Iris stellte interessierte fragen, und Michael kam sich kühn vor. Er umschiffte alle Untiefen („Kennen Sie Friedrich Meier? Der arbeitet in den Filmstudios bei der Requisite.“) mit Bravour, und schon kam das essen. Auch wenn Michael vor dem blutigen Fleischsaft etwas grauste, hatte er durch die kleine Lüge so viel Aufwind bekommen, dass die Gespräche wie von selbst weitergingen. Sie lachten beide an den richtigen Stellen und verstanden sich großartig.

Michael brachte Iris bis vor die Haustüre und nicht weiter, das gebot sein Anstand, und sie vereinbarten noch diese Woche zu telefonieren.

Zwei Tage später erschien Michael mit seinem Mannequin in der Zeitung. Gegen die Abmachung hatte der Journalist kein Detailfoto ausgewählt, sondern eines wo man seinen Kopf sehen konnte. Und ebenfalls gegen die Abmachung stand sein voller Name darunter, mit dem Zusatz „Mannequinbekleider“.

Als sein Telefon läutete, hob Michael nicht ab. Es konnte nur Iris sein, er bekam sonst keine Anrufe. Aber er konnte sich nicht vorstellen, sie nach der Sache mit dem Foto wiederzusehen.

Am nächsten Tag nahm Michael im Büro das Notizbuch aus der Schublade, warf es in den Papierkorb und zog dem Mannequin neue Strümpfe an.

#weekendwriting 6: Meine Geschichte Weiterlesen »

Kreatives Schreiben: Weekend Writing 6

Samstag! Zeit für die Weekend Writing Challenge. Welche Geschichte fällt euch zu dem Foto ein? Kommt, macht mit, 20 Minuten gratis Kreativität gibts zu gewinnen!

Darum geht es: Ich poste immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog. UPDATE: Hier ist sie.

Foto von Arthur Siegel
Foto von Arthur Siegel

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

Kreatives Schreiben: Weekend Writing 6 Weiterlesen »

#weekendwriting 5: Meine Geschichte

Ich sehe langsam ein Muster in meinen Geschichten: Ich erfinde meistens Heldinnen mit einem Geheimnis. Sehr interessant. Aber bevor ich jetzt anfange zu psychologisieren – hier ist meine Geschichte.

euphoriaAcross The Universe

„Mist, Mist, Mist!“ Linda starrte auf das Ticket in ihrer Hand. Deborah und Angelica schrien ihr ins Trommelfell, und sie dachte nach. Die ganze Nacht waren sie für Tickets angestanden, und als sie endlich dran waren, hörten sie, dass das Sonderkontingent für den 11. September – also heute Abend – erschöpft war, aber es wären gerade noch einige Tickets für den nächsten Abend freigegeben worden.

Der 12. September. Morgen Abend also. An dem Termin, den sie den beiden verheimlicht hatte, obwohl sie es ihnen so gerne erzählt hätte, warum sie da unmöglich auf das Konzert gehen könnte. Aber Linda traute sich nicht, denn sie musste immer an den Nachmittag zuvor denken, als sie sich in Angelicas Zimmer mit einer Nadel in die Daumen gepiekt und jede einen Blutstropfen auf ein Papier gedrückt hatte. „Blutsschwestern für immer!“ hatten sie anschließend gerufen. Endlich gehörte Linda dazu. Um den Pakt zu besiegeln, wollten sie sich um die neuen ausgegebenen Restkarten anstellen und gemeinsam ins Konzert ihrer Idole gehen.

Was Deborah und Angelica aber nicht wussten: Dass Lindas Eltern am Abend zuvor einen Anruf des Instituts für Raumfahrt bekommen hatten. Linda hatte vor einem halben Jahr an einem Physikwettbewerb teilgenommen und den zweiten Platz gemacht. Jetzt war der Sieger allerdings erkrankt und sie sollte morgen die Reise zur neuen Weltraumbehörde NASA antreten – das geheime Ziel ihrer noch geheimeren Träume. Ihre Eltern hatten bereits alles organisiert und ihre Koffer gepackt. Um acht Uhr abends würde sie ihm Flieger sitzen, währen die Band das erstes Lied im Stadion spielte.

Linda hatte schon mehrmals versucht, es ihren Freundinnen zu sagen, aber immer kam etwas dazwischen. Jetzt war die letzte Möglichkeit dazu. Sie holte Luft. „Du, Angelica…“ „Was ist los mit dir? Es wird so toll werden auf dem Konzert! Best Friends Forever!“ rief Angelica. Linda zögerte, und der Moment war vorbei. Also holte sie tief Luft und rief ganz laut „Best Friends Forever!“.

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Kreatives Schreiben: Weekend Writing 5

Schon wieder Samstag? Los gehts mit der Weekend Writing Challenge. Die Euphorie der Mädchen auf dem Bild ist garantiert ansteckend. Also, los gehts mit euren 20 Minuten Kreativität!

Darum geht es: Ich poste immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog.

euphoria

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

Kreatives Schreiben: Weekend Writing 5 Weiterlesen »